
Eigentlich war ich nur in Düsseldorf, um meinen Kumpel zu besuchen. Ein bisschen abhängen, über Projekte quatschen. Aber dann kam dieser eine Satz: „Du musst nach Köln. Da gibt es diese Ikone in der Avantgarde-Szene, Kurt Hürter. Geh ihn mal interviewen.“
Ich hatte keinen festen Plan, keine ausgearbeiteten Fragen. Nur meine Kamera und die Neugier, wer dieser Mann ist, von dem alle mit so viel Respekt sprechen.
Der Check im Atelier Als ich bei Kurt im Laden stand, war sofort klar: Das hier ist kein normaler Retail. Das ist ein Archiv, ein Labor, eine Lebenseinstellung.
Kurt ist kein Typ für Smalltalk. Er hat alles gesehen. Er war in Paris, als Margiela noch ein Geheimnis war. Er hat für Comme des Garçons gearbeitet, als sie noch winzig und rein künstlerisch waren. Er kannte Rick Owens, bevor der seine erste große Order geschrieben hat.
Es gibt Menschen, die kaufen Mode, und es gibt Menschen, die sehen etwas, das noch gar nicht da ist. Kurt Hürter gehört zur zweiten Kategorie. In einem Gespräch, das so roh und ungeschminkt ist wie das Leder in seinem Kölner Atelier, gewährt der Kurator von KH Cologne Einblicke in eine Ära, in der Mode noch kein kommerzielles Kalkül war, sondern ein intellektuelles Manifest.
Die Sache mit dem Rhythmus Was mich am meisten gepackt hat, war seine Art, die Welt zu sehen. Er hat mir diesen einen Vergleich gegeben, den ich so schnell nicht vergessen werde:
„Es ist wie mit einer Gitarre. Wer Geld hat, kann sich die beste Gitarre kaufen und Unterricht nehmen. Aber den Rhythmus? Den bekommst du vom Universum – oder eben nicht.“
Insights von Kurt
Das ist es, was Kurt macht. Er sucht nicht nach Marken. Er sucht nach diesem Rhythmus. Er sieht eine Lederjacke und fängt an, sie umzubauen, ihr eine Patina zu geben, weil sie ihm „im Original“ zu langweilig ist. Er macht aus Mode Kunst, weil er die Seele darin sucht, nicht den Preis.
Warum das Treffen alles verändert hat Ich bin als Medienmacher hingefahren, um ein Porträt zu drehen. Aber ich bin mit einer Lektion über Haltung nach Hause gegangen. Kurt hat mir gezeigt, dass es egal ist, wie groß eine Brand wird – wenn die Wurzeln nicht echt sind, ist es für ihn uninteressant. Er hat aufgehört mit Labels zu arbeiten, sobald sie zu „kommerziell“ wurden. Nicht aus Arroganz, sondern weil das „Echte“ verloren ging.
Dieser spontane Trip nach Köln war mehr als nur Content für mein Startup. Es war der Beweis, dass die besten Storys dort liegen, wo man nicht nach dem Mainstream sucht, sondern nach den Typen, die ihren eigenen Rhythmus spielen.

